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Dez 19 11

Radtouren richtig planen

Radtouren sind vor allem in der wärmeren Jahreszeit eine sehr beliebte Möglichkeit, um sich aktiv zu entspannen, aber auch im Winter kein Problem! Egal ob man alleine unterwegs ist, oder die Tour als Gruppe unternimmt – in beiden Fällen lohnt es sich, vor dem Losfahren ein wenig Planung in die Tour zu stecken.

Mobiles Sightseeing auf dem Rad
Das schöne am Radfahren ist, dass man sehr mobil ist und im Gegensatz zum Auto auch Ziele über kleine Feldwege oder für Autos komplett gesperrte Wege leicht erreichen kann. Zudem haben vor allem auf einer Tour in der Gruppe nicht alle Mitfahrer gleich geübtes Sitzfleisch, weshalb es sich anbietet, auf einer gemeinsamen Tour öfter eine Pause einzulegen. Plant man vor der Tour den Weg, der abgefahren werden soll, kann man diese Pausen an Orte legen, an denen es auch wirklich etwas zu sehen gibt. Ansonsten wäre es beispielsweise ärgerlich, wenn man mitten auf der grünen Wiese eine Pause einlegt und wenige Kilometer später an einem interessanten Ort vorbeifährt. Zudem kann man auch schon vorher eine Station für das gemeinsame Mittagessen einplanen. Dazu bei einer größeren Tour einfach gezielt ein Restaurant oder einen Grillplatz ansteuern.

Hilfsmittel zu Tourenplanung
Die wichtigsten Hilfsmittel zur Tourenplanung sind gutes Kartenmaterial und eventuell noch ein Reiseführer. Bei Karten haben sich nicht nur spezielle Landkarten für Radfahrer als nützlich erwiesen, sondern auch Wanderkarten sind bei der Tourenplanung sehr hilfreich. Auf ihnen sind Aussichtspunkte und interessante Stellen markiert, die man auch mit dem Rad leicht erreichen kann – zu Not muss halt ein kleines Stückchen geschoben werden.

Vor der Tour das Rad checken

Vor der Tour sollte jeder Mitfahrende unbedingt sein Rad auf mögliche Mängel überprüfen, denn nichts ist schlimmer, als wenn eine Tour abgebrochen werden muss, weil ein Teilnehmer eine Panne hat, die unterwegs nicht behoben werden kann. 2007 auf einer Fahrt nach Siebenbürgen hatte ich mal das Glück. Seither ist der Fahrradcheck das Wichtigste. Werden Mängel entdeckt, kann man eventuell in einem Onlineshop noch schnellen Ersatz bestellen. Oft lassen sich Fahrradteile hier bestellen und per Express liefern, damit sie noch pünktlich vor Tourbeginn beim Besteller eintreffen. Funktioniert auch im Winter!

Dez 13 11

Onkel Karls Märchen 2.0

Tritratrullala, Karl Theodor ist wieder da! Nach einigen Monaten steht KT, wie ihn die sinkende Zahl derer, die sich zu seinen Anhängern zählen (im März noch 62 % der Deutschen, nun 49 % laut Forsa-Umfrage), zu nennen pflegt, schon wieder auf der Bühne und spielt (nicht besonders überzeugend) Theater. Warum er sich zu Wort meldet? Angeblich, um Europa fachkompetent aus der Eurokrise zu retten, indem er freundlicherweise all den unfähigen Politikern erklärt, was sie derzeit alles falsch machen. Vielleicht aber auch nur, um Promo für sein neues Buch zu machen. Promo, das geht noch, die Promotion dagegen ist hin.

Im Wirbel um seine harsche Kritik an anderen ging eine weitere Meldung fast unter: 20.000 Euro für den guten Zweck und kein Prozess mehr gegen den Ex-Minister. Der feine Herr zu Guttenberg kauft sich frei. Der materielle Schaden, den er mit seiner zu 64 % (Stand April/2011 laut guttenplag.org) plagiierten Doktorarbeit angerichtet hat, dürfte damit beglichen sein, doch von Einsicht keine Spur. Aus dem „Exil“ in den USA lässt er verlauten, dass er die 1200 Textstellen bloß versehentlich nicht belegt habe. Selbst einem Studenten im ersten Semester, der das wissenschaftliche Arbeiten gerade erst erlernt, unterlaufen derart grobe Schnitzer bei seiner allerersten Hausarbeit nicht in dieser Dichte.

Nun führt er als Begründung für seine „Fehler“, welche ihm selbstverständlich bloß aus Versehen unterlaufen sind, an, er sei völlig überfordert gewesen mit dem Verfassen seiner Dissertation. Aber ein Land mit 82 Millionen Einwohnern regieren, das traut er sich zu. Vielleicht sogar als Bundeskanzler. Kleine Brötchen backen, das ist nichts für einen Karl Theodor zu Guttenberg. Zack! Schon neun Monate nach der Plagiatsaffäre kommt KT wieder über den großen Teich geschippert, um für die EU zu arbeiten. Aber das ist eine andere Geschichte, liebe Kinder.

Dez 5 11

Wie Media Markt Liebe zur käuflichen Ware macht

Was ist bloß aus Weihnachten geworden? Der “Weihnachtsbaum” auf dem Rathausmarkt ist bloß ein Metallgerippe mit Lichterketten und auf dem Weihnachtsmarkt zu Füßen des Gerippes kaufen Menschen kleine pink glitzernde Handtaschen als Baumschmuck anstelle von Kugeln. Und im Radio propagiert Media Markt Spielkonsolen als die einzig wahren Geschenke. Eisenbahnen? Uncool. Damit kann Papa gleich wieder nach Hause fahren. Bei einer Konsole dagegen ist der Fall klar: Nur ein “Superpapa” kann ein so tolles Geschenk unter den Baum gelegt haben. Und dort, unterm Baum, wird laut Media-Markt-Werbung schließlich Weihnachten entschieden. Und zwar darüber, welches Geschenk das beste ist. Je teurer desto besser.

Meiner Meinung nach würde ein wahrer „Superpapa“ seine Kinder nicht vor einer Spielkonsole parken, sondern sich mit ihnen beschäftigen, indem er z. B. mit ihnen zusammen mit der Holzeisenbahn spielt. Aber das wäre Zeit miteinander verbringen und darum geht es ja beim Weihnachtsfest à la Media Markt nicht.

Welchen Druck die Message „Falsches Geschenk = Liebesentzug“ gerade auf weniger wohlhabende Eltern ausübt, die ihren Kindern ohnehin schon selten das bieten können, was Sie ihnen gern bieten würden, ist Media Markt im besten Fall nicht klar. Ich vermute allerdings eher, dass hier sehr bewusst damit gespielt wird. Es ist ein moralisch sehr fragwürdiges Spiel, denn durch diese Werbung wird den Eltern suggeriert, Kinder liebten nur Eltern, die ihnen teure Geschenke machen. Dadurch entsteht großer emotionaler Druck, durch den Media Markt aus armen Eltern den letzten Euro herauspresst.

Ich bin kein religiöser Mensch, aber sollte es an Weihnachten nicht eigentlich um Zusammenhalt und zwischenmenschliche Wärme gehen? In der Media Markt-Werbung dagegen zeigt sich die Kälte des unerbittlichen Materialismus: Zuneigung muss man sich durch das richtige Geschenk erkaufen. Weihnachten, das Fest der Liebe? Liebe gibt es, wie uns die Media Markt-Werbung vermittelt, nur für die, die es sich leisten können.

Nov 18 11

Draußen vor der Tür

Es ist noch stockdunkel, wenn ich mich auf den Weg zur Arbeit mache. Einer arbeitet seit Stunden und nicht nur der Uhrzeit wegen beneidet ihn sicher gerade niemand: Der Zeitungsmann an der U-Bahn-Station kauert neben seinem Klapptisch, hat den Kopf zwischen die Schultern gezogen und die Hände tief in den Taschen seines Parkas vergraben. Er nickt zu dieser Jahreszeit nur, wenn die Leute ihm fünfzig Cent für eine Bild-Zeitung hinlegen. Viele Centstücke liegen da in einer Reihe an der Tischkante. Wie viele davon er wohl pro Stunde bekommt und wie viele der Springer-Verlag?

Unten bei den Gleisen schaut eine alte Frau in die Mülleimer und sucht nach Flaschen. Sie ist sicher schon weit über siebzig.

Ich fröstle. Der Wind streicht einem in Hamburg das ganze Jahr über oft etwas unsanft durchs Haar. Kombiniert mit den aktuellen Temperaturen schneidet er jedem, der sich vor die Tür wagt, ins Gesicht. Seit Beginn der Woche sind die Busse wieder brechend voll. Verständlich – wer irgendwie kann, vermeidet jeden Meter außerhalb geschlossener Räume. Lieber im völlig überfüllten Bus ersticken als draußen erfrieren. Fast kuschlig dieses Ölsardinengefühl. Zunächst ringe ich mit meinem inneren Schweinehund, der unsinnigerweise lieber noch ein wenig weiterfahren würde. Dann kämpfe ich mich durch die Menschenmassen zur Bustür und von dort aus durch die Kälte zum Büro. Gemütlich ist es auf der Arbeit nicht, aber immerhin warm. Ich versuche die Kälte der Welt da draußen zu verdrängen: den Zeitungsmann, die alte Frau und all diejenigen, von denen man meist nur weiß, dass es sie gibt, weil man überall ihre mit Lumpen gefüllten Einkaufswagen sieht.

Nov 7 11

Ein letzter Herbstsamstag im November

Noch ist es warm genug, um im Park zu joggen. Und ich bin nicht der Einzige, der die letzten milden Tage ausnutzt: Außer mir sind noch viele andere Jogger unterwegs. Ein Vater geht mit seiner kleinen Tochter an der Hand spazieren. Hunde wirbeln Blätterhaufen auf, die Mitarbeiter der Stadt sorgfältig in den Ecken aufgetürmt haben – blassgelbe Kirschbaumblätter, braune Buchenblätter und gelbrote Ahornblätter. Ein paar alte Männer spielen Boule. Fünf Chinesen machen Picknick auf einer Parkbank. Zwei Mädchen haben ein Seil zwischen den Bäumen gespannt und balancieren geschickt vom einen Ende zum anderen. Manchmal legen sie sich auf eine Wolldecke, um sich auszuruhen. Es könnte der letzte Tag sein, an dem es noch nicht zu kalt dafür ist. Ein milder Herbstsamstag im November.

Männer in meinem Alter spielen Fußball auf der großen Wiese. Ich laufe vorbei, fülle meine Lunge mit Herbstluft, die nach modrigen Blättern riecht. Nach einer Stunde habe ich meine zehn Kilometer geschafft und halte an, um noch einige Dehnübungen zu machen. Nicht weit entfernt von mir sitzt ein älterer Mann mit seinem Hund auf einer Bank und trinkt Bier. Der Hund springt auf, bellt mich an. Es ist ein stattlicher Deutscher Schäferhund. Der Mann auf der Bank schaut ihm mit leerem Blick aus ausdruckslosen Augen hinterher. Es scheint nicht sein erstes Bier heute zu sein. “Hey!”, rufe ich ihm zu “Rufen Sie doch bitte mal Ihren Hund.” Er reagiert zum Glück. Aus dem Gebüsch hinter der Bank kommt ein zweiter Mann. Er hat wohl gerade Platz geschafft für den Inhalt der Flasche, die er nun ansetzt. Noch ein paar Novembertage, dann wird das Bier in den Flaschen gefrieren.

Okt 31 11

Verwöhnte Wegwerfgesellschaft vs. Umwelt, Verstand und Ethik

Nicht, dass es das erste Mal wäre, dass ich so meine liebe Not habe, in Hamburger Supermärkten dies und jenes zu besorgen, aber man kann gar nicht oft genug auf den City Netto schimpfen! Es scheint so eine Art ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass Bioeier grundsätzlich ab Donnerstag ausverkauft sind. Glück für die Hausfrauen, die Dienstagsmorgens gemütlich durch den Laden bummeln, Pech für Büromenschen wie mich, die sich am Wochenende an leeren Regalen vorbeischieben, wenn sie nicht wochentags nach der Arbeit im Dunkeln noch zum Laden flitzen wollen.

Auf der anderen Seite: Man kann Netto wahrlich nicht vorwerfen, übermäßig viele Nahrungsmittel wegzuwerfen. Gut so, denn es wird schon viel zu viel weggeworfen: allein in Deutschland 20 Millionen Tonnen im Jahr. Das ist die Hälfte der angebotenen Ware! Die Produktionskosten für das, was nicht verkauft werden kann, müssen mitbezahlt werden. Ganz simple Ökonomie: Die Relation zwischen Angebot und Nachfrage bestimmt den Preis der Ware. Wegwerfen verknappt das Angebot, die Lebensmittelpreise steigen und somit entstehen auch höhere Weltmarktpreise. Die wiederum können Menschen in ärmeren Ländern sich nicht leisten. Der Preis für all die Ausschussware, die in unseren Müllverbrennungsanlagen landet, ist daher größerer Hunger in der Welt. Diesen Hunger könnte man bereits mit der Hälfte von dem, was in Europa weggeworfen wird, stillen. Der Rest müsste gar nicht mehr produziert werden. Das heißt auf den Flächen, die zur Produktion genutzt werden, hätte z. B. der Regenwald, der dort abgeholzt wurde, um fruchtbares Ackerland zu erhalten, stehen bleiben können. Das wäre gleich doppelt gut fürs Klima: Die Regenwaldbäume gäben Sauerstoff ab und in den Müllverbrennungsanlagen würde nicht wie gegenwärtig durch die Verbrennung von Lebensmitteln CO2 freigesetzt. Ist das nicht viel wichtiger als sonntägliche Frühstückseier?

Okt 17 11

Huldigt dem Gerstensaft!

In einer Weltstadt wie Hamburg kommt es häufiger mal vor, dass man mit Reisenden aus anderen Ländern ins Gespräch kommt. Und auch auf meinen eigenen Reisen in die verschiedensten Teile der Welt habe ich Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern getroffen. Und fast jeder fragte mich, ob ich denn dieses Jahr wieder aufs Oktoberfest ginge. So, als würden alle 82 Millionen Deutschen (nun gut, von den Kindern mal abgesehen) dort alljährlich beisammensitzen und gemeinsam Bier trinken. Tatsächlich ist es nicht einmal ein Zehntel der deutschen Bevölkerung, das sich bei überteuertem Bier auf der Wiesn vergnügt. Bei Weitem nicht, denn unter den sieben Millionen Besuchern sind schließlich auch viele Gäste aus dem Ausland! Ich persönlich kann dem Oktoberfest nichts abgewinnen: Tracht für mehrere Hundert Euro tragen, neun Euro für einen Liter Bier hinblättern, das schal ist, bevor man es ausgetrunken hat und dann all die Betrunkenen. Es reizt mich nicht besonders, auszuprobieren, ob der Nerv-Faktor auf dem Oktoberfest den einer U- oder S-Bahn in St.Pauli nachts um vier überschreitet.

Doch so lästig die Fragen noch dem gehypten Volksfest auch sind, so zeigen sie dennoch, wie berühmt wir Deutschen für unser Bier sind. Bier ist fest in der deutschen Tradition verwurzelt, und wenn ich ehrlich bin, bin ich auch sehr stolz auf unser Reinheitsgebot, das weltweit geschätzt wird. Zwar wird hierzulande nicht das meiste Bier hergestellt, doch die Qualität ist weltbekannt. Die Fakten sprechen für sich: In China, dem bevölkerungsreichsten Land der Erde wird das meiste Bier produziert. Das überrascht zunächst nicht sonderlich. Doch die größte Brauerei des Landes wurde vor über 100 Jahren von Deutschen gegründet. Noch heute wird das Bier der Tsingtao-Brauerei in der ehemaligen deutschen Kolonie Qingdao an der chinesischen Ostküste nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut.
In diesem Sinne: Prost!

Okt 7 11

Bahn (alkohol) frei!

Seit einigen Tagen gilt nun das Alkoholverbot im HVV (Hamburger Verkehrsverbund). Wer in den Bussen und Bahnen dennoch Alkohol trinkt, muss mit einem Bußgeld von 40 Euro rechnen.

Am letzten Abend vor Inkrafttreten des Verbots wollten etwa 11.000 Jugendliche, die sich über Facebook organisiert hatten, trinkend gegen das Alkoholverbot protestieren. Zum Feiern (und Randalieren) erschienen jedoch schließlich lediglich 1.000 junge Leute. Diese Zahlen bestätigen die zuvor erhobenen Umfragewerte: 86 Prozent der Hamburger befürworten das Alkoholverbot. Bei 1,8 Mio. Einwohnern macht das 250.000 Verbotsgegner. Den meisten von ihnen erschien es jedoch vermutlich unangebracht, sich daneben zu benehmen und dies als Form des Protests zu etikettieren. Nicht so den Jungen Liberalen (JuLis): Zwar sah man die Mitglieder der Jugendorganisation der FDP anders als andere Partywütige keine Sachbeschädigungen begehen oder spaßeshalber Notbremsen ziehen, doch angetrunken Politik machen zu wollen, ist in meinen Augen peinlich genug.

Ich jedenfalls kann auf zwei Dinge gut verzichten: Erstens in eine Bahn zu steigen, beim Anfahren einen unangenehmen Geruch zu bemerken und dann hinter dem nächsten Sitz Kotze als Ursache auszumachen, um anschließend beim nächstmöglichen Halt schnellstens den Wagen zu wechseln. Zweitens hasse ich den säuerlichen Geruch von abgestandenem Bier. Klar werden diese Geruchsbelästigungen in Zukunft nicht verschwinden, denn auch stockbesoffen darf man natürlich völlig zu Recht auch weiterhin mitfahren, aber ich hoffe dennoch, dass alkoholbedingter Gestank jeglicher Art künftig seltener vorkommt. Auch wichtig: Vor allem tagsüber, wenn Kinder in der Bahn sind, sollten Erwachsene sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. Erst vorgestern sah ich in der U2 eine etwa Zwölfjährige in Begleitung ihres Vaters. Sie trug ein zu groß geratenes T-Shirt, auf dem zu lesen war: „Halb besoffen ist rausgeschmissenes Geld“. Ohne Worte.

Okt 7 11

Dramen unvorstellbaren Ausmaßes im City-Netto

Vor dem langen, letzten sonnigen Wochenende musste ich schnell noch ein paar überlebenswichtige Lebensmittel kaufen: Grillfleisch, Kaffee und Joghurt. Ohne ein Mindestmaß an koffeinhaltiger Flüssigkeit und ein Müsli mit Joghurt bin ich nicht einsatzfähig. Wahrscheinlich würde ich nicht mal die U-Bahn finden, um zur Arbeit zu fahren. Na gut, zur Arbeit muss ich am Wochenende natürlich nicht, aber das senkt in keiner Weise den Wichtigkeitsgrad von Kaffee und Joghurtmüsli.

So stapfte ich also kurz vor Einbruch der Dunkelheit zum Netto City meines Vertrauens. Während ich meine übliche Runde durch den Laden drehte, hatte ich zwangsläufig einen etwas längeren Aufenthalt bei den Bio-Milchprodukten. Bei den Lassis – nein keine Hunde, sondern so ein seltsames Joghurtdrink-Zeug für meine Freundin – schien es nur noch Himbeergeschmack zu geben. Dabei trinkt sie doch nur Mango-Lassis. Ganz hinten konnte ich glücklicherweise noch einen allerletzten entdecken. Weiter ging´s. Nur noch mal eben kurz gefühlte 18 Minuten an der Kasse warten.

Zuhause angekommen brachte ich den wertvollen Inhalt meiner Einkaufstasche im Kühlschrank unter. Ja auch den Kaffee – echte Kenner wissen, dass eine dicht verschlossene Packung bei 4 Grad Celsius das Aroma am besten bewahrt. Dann der Schock: Wegen des Lassi-Zwischenfalls hatte ich nun meinen unentbehrlichen Naturjoghurt vergessen. Naja, erstmal kurz aufs Sofa – der Netto hatte ja noch bis zehn auf. Diese Entscheidung sollte ich bald bitter bereuen, denn als ich zurückkehrte waren mehr Menschen als Lebensmittel im kleinen Netto City. Und, was noch viel schlimmer war: kein Bio-Joghurt mehr. Falls ich dennoch überleben sollte, auf bald!

Sep 26 11

Just another freak show

Als hätten wir noch nicht genug niveaulose TV-Formate: Aktuell strahlt RTL die x-te Staffel der Sendung „Schwiegertochter gesucht“ aus. Hierbei wird für den Zuschauer Fremdschämen zur Extremsportart, wenn Maiks Plauze beim Tanzen ständig unter dem Hemd hervorschaut oder Marco bei der Massage unbeholfen auf Nicoles Rücken hockend herumrutscht, um sein Gleichgewicht wiederzufinden.

Man mag gar nicht hinschauen, wenn Joan Christian das Küssen beibringt. Und hinhören, was die potenziellen Schwiegertöchter und die von ihnen umworbenen Männer so von sich geben, mag will erst recht nicht. Da wird gern mal eine Woche nach dem ersten Treffen „Ich liebe dich“ gehaucht oder übers Zusammenziehen nachgedacht. Besonders beliebt ist es unter den Kandidatinnen auch, ihren Angebeteten recht schmeichelhaft zu eröffnen, hübsche Männer wären prinzipiell ganz schrecklich. Die armen Männer können sich nach diesen Äußerungen still überlegen, in welcher Kategorie sie sich sehen: attraktiv und unbrauchbar oder hässlich aber dafür würdig, eine Beziehung mit der betreffenden Dame einzugehen. Beides wenig erstrebenswert.

Hutträgerin Claudia mit der weinerlichen Stimme verkündet, ihr Partner dürfe ruhig „ins Puff“ gehen und Sabrina, die auch im Haus stets ihre Touri-Bauchtasche dabei hat, rastet komplett aus, weil Marco und Nicole in ein und demselben Raum übernachten – auf getrennten Sofas wohlgemerkt. Ein grober Verstoß gegen ihr moralisches Empfinden und somit Grund genug für lange Monologe, in denen sie wie immer mit Vorliebe von sich selbst in der dritten Person spricht. Und Nicole? Die knutscht hingebungsvoll mit Marco, nachdem dieser ihr wenige Tage zuvor noch freimütig berichtet hatte, er sei hinsichtlich ihres  Erscheinungsbildes zunächst „geschockt“ gewesen. Es kann nun mal leider nicht jeder eine so modische Streifenhörnchenfrisur tragen wie Trendsetter Marco.

Obwohl möglicherweise einige Männer ihre Herzdamen im Laufe der Show finden, gibt es nur Verlierer in dieser Show, denn ihre Würde haben die TeilnehmerInnen dadurch leider verloren.