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Alles im Flow!

by Nico on September 2nd, 2010

Wovon träumt ein Mann im besten Alter regelmäßig? Was erhofft er sich noch vom Leben, mit knapp über 30 Lenzen, mit beiden Beinen fest im Berufsleben stehend, familiär situiert, sportlich und gesund (zumindest fühle ich mich so)? Die Antwort: er träumt vom Flow-Zustand. Von jenem (positiv) stressigen Dauerzustand in dem scheinbar alles mühelos gelingt, die vielen kleinen Rädchen ineinander greifen und damit die erdrückende Lebenslast absolut harmonisch erscheinen lassen.

Dabei befinde ich mich in einem Alter, das für den Flow-Zustand wie geschaffenen ist. Die gröbsten Illusionen sind ad acta gelegt, die Naivität und die Unbekümmertheit auf Nimmerwiedersehen verschwunden, nur die zwanghafte Hartnäckigkeit, die an Sturheit grenzt, ist in der Lage den einen oder anderen Zeitgenossen noch zu überraschen.

Häufig werde ich gefragt: Kennst du den Spruch nicht, dass der Klügere nachgibt? Natürlich kenne ich ihn, nur so recht daran glauben, kann ich nicht. Oder kann mir jemand ernsthaft glaubhaft machen, dass Durchsetzungsvermögen und Intelligenz korrelieren? Dann hätte ich berechtigte Angst um den Standort Deutschland und dessen Aushängeschilder: Politiker, Unternehmer, Sportler und sonstige Lebenskünstler.

Die Illusionen sind ergo passé, das Gefühl der Desillusion (noch) nicht ausgeprägt genug, um routinemäßig mit beiden Händen abzuwinken. Es fühlt sich einfach gut an, beruflich am aufsteigenden Ast zu sein. Höre ich mich im Kreise der Schulfreunde um, dann werde ich schnell irritiert. Sie reden ausschließlich von ihren Gehältern, die als der heilige Gral angesehen und wie die Panini-Sticker in alten Zeiten verglichen werden. Es kommt mir vor, als ob sich der Wert einer gestandenen Persönlichkeit nach dem Auszahlungsbetrag auf dem Verdienstnachweis bemisst, leider.

Dazu trinken sie Kaffee, viel Kaffee. Gemütlich ist es und entspannend in allen Lebenslagen einen Kaffee zu genießen, bevorzugt auf der Arbeit. Der Kaffee avanciert zum großen Gleichmacher. Beinahe jeder kann sich dieses harmlose Genussmittel leisten, sogar zeitlich. Es soll Geschäftsführer geben, die vor ihrem Frühkaffee nach eigener Aussage nicht funktionieren. Eine Arbeitskollegin hat mir neulich zu Arbeitsbeginn einen Kaffee angeboten. „Um Gottes Willen Frau März, das können Sie nicht ernst meinen!!! Wenn ich jetzt einen Kaffee trinke, bleibe ich ja den ganzen Tag wach!“.

Und verpasse dadurch den Flow-Zustand, ganz bestimmt.

From → Das bin ich

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